Hier wird das Manhattan-Projekt vorgestellt. Bei diesem Projekt geht es darum, die Besiedlungsgeschichte der Insel Manhattan in ein Verständnis zu rücken. Die dort im Laufe der Zeit errichteten Bauten sollen aufgespürt werden, um die Entwicklung des Bauwesens auf dieser Insel nachvollziehbar zu machen.
Zunächst wurde eine Bestandsaufnahme dessen geleistet, was sich zur Zeit an Bauwerken antreffen läßt. Aber nicht nur das interessiert, auch das, was unterging.
Die Karte oben zeigt uns einen Kartenausschnitt vom Norden Manhattans. Sie dürfte die Bauanlagen wiedergeben, die im Unabhängigkeitskampf der Nordamerikaner eine Rolle spielten. Man sieht, die Landschaft ist noch siedlungsleer. Nur einzelne Bauernhäuser stehen an einfachsten Wegen. Ein Weg führt nach Norden zur Kingsbridge. Dies ist heute der Broadway im Norden Manhattans. Die Kingsbridge ist inzwischen eine Straßenkreuzung, da keine Wasserstraße an dieser Stelle überbrückt werden muß.
Mit der Bestandsaufnahme wurde im Norden der Insel begonnen. Als ich über diesen Teil Manhattans las, wurde mir bewußt, daß durch einen Stichkanal Marble Hill von der Insel abgetrennt wurde. Früher war dieser Teil Manhattans von einem kurvenreichen Fließgewässer umrundet. Da die Schiffspassage nicht ungefährlich war, grub man sich einen kürzeren Weg vom Harlem Creek zum Hudson River. Hätte man den ursprünglichen Verlauf des Wasserweges um Marble Hill herum nicht zugeschüttet, wäre dieser Teil des Nordens von Manhattan eine Insel geblieben.

Man hat jedoch Landgewinnungsmaßnahmen betrieben und den Wasserlauf um Marble Hill herum zugeschüttet, etwa um Baugrund für Schulgebäude zu erhalten. Anderswo entstanden Superblocks als riesige Bauten des sozialen Wohnungsbaus, um das aufgeschüttete Gebiet sinnvoll zu nutzen. Leider sind durch diese Baumaßnahmen die Schönheiten der nördlichen Landschaft Manhattans in guten Teilen zerstört worden.

Die Dokumentation der Bauten von Manhattan folgte den Stadtteilen, die nach Marble Hill auf dieser Insel Manhattan von Norden nach Süden aufeinander folgen. Marble Hill liegt jetzt auf dem Festland, danach folgt Inwood, das heute ganz im Norden der Insel Manhattan liegt. Anschließend wurde die Dokumentation der Bauten von Fort George, usw. vorgenommen.

Da der Besiedlungbeginn durch die Europäer im Süden der Insel Manhattan stattfand, wurde auch hier eine Dokumentation der Bauten erarbeitet, die darauf abzielte, möglichst schnell das zu dokumentieren, was den Anfang dieser Besiedlungsmaßnahme nachvollziehbarer macht.
Durch Landaufschüttungen ist die Südspitze Manhattans sehr stark verändert worden. An der gekurvten Straßenführung des heutigen Downtown läßt sich jedoch noch ablesen, wo die ersten Häuser der frühesten Ansiedlung entstanden. Allerdings mußte sehr viel zu diesen Veränderungsprozeßen gelesen werden, um das im Stadtraum identifizieren zu können. So liegt ein ehemaliges Fort jetzt auf dem Gebiet der Insel. Früher stand es auf einer kleinen Insel vor der Landmasse der Südspitze Manhattans.
Die Landschaft der langgestreckten Insel ist an manchen Stellen sehr dramatisch. Man erahnt noch den ursprünglichen Zustand Manhattans, wenn man durch den verbliebenen Urwald im Norden der Insel wandert.

Hier waren früher Wohnplätze der Urbevölkerung gewesen, als die Europäer eintrafen. Archäologen haben auch an anderer Stelle der Insel Siedlungsspuren der indianischen Bevölkerung auffinden können. Man findet gelegentlich Höhlen in Felsabstürzen. Eine der Höhlen im Gebiet des derzeitigen Inwood Hill Park soll ein indianisches Heiligtum gewesen sein.

Man wird alldem nachgehen müssen, was sich seit den ältesten Besiedlungsspuren auf der Insel nachweisen läßt, um schließlich zu den heutigen Bauanlagen zu kommen. Auch diese wollen verstanden werden.

Das Manhattan-Projekt ist also ein recht spannendes Forschungsvorhaben, das uns in die unterschiedlichsten Baukulturen vordringen läßt. Man darf gespannt sein, was sich an Dokumenten dazu auffinden läßt.
Karl-Ludwig Diehl
Baugeschichte
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