Montag, 22. Dezember 2008

Die unbekannte Baugeschichte von Marble Hill im Norden von Manhattan















Das, was seit längerer Zeit als Marble Hill bezeichnet wird, gehörte zum nördlichen Ende der langgestreckten Insel in New York City, an der der Hudson River vorbeifließt. Hoch im Norden dieser von Wasser umgebenen Landmasse durchkurvte ein Gewässer diese Landschaft, welches Zugang zum Harlem Creek hatte. Spätere Wasserbauarbeiten haben diese Krümmungen der natürlichen Gewässerrinne, deren Wasserstand von den Gezeiten beeinflußt ist, eliminiert, um eine Begradigung an ihre Stelle treten zu lassen. Diese Landschaftsumgestaltung hat dazu geführt, daß ein Stück der Insel Manhattan abgetrennt wurde und inzwischen zum Festland gehört. Die Einwohner von Marble Hill haben jedoch dafür gesorgt, daß sie weiterhin in der Verwaltungseinheit Manhattan verblieben. Man hatte das den Einwohner zugestehen müssen.
Manhattan war schon besiedelt, als die ersten Europäer eintrafen. Indianische Gruppen lebten hier in den Höhlen der Felsabstürze oder in stabilen Holzbauten aus gebogenen dünnen Holzstämmen, zwischen die Baumrinde als Witterungsschutz eingespannt worden war. Die Rekonstruktion einer solchen Behausung kann man sich auf dem Gelände der Parkverwaltung in Inwood ansehen, einem Stadtteil Manhattans, der etwas südlicher als Marble Hill liegt.

Die genaue Besiedlungsgeschichte von Manhattan ist nicht bekannt, obwohl es natürlich sehr viel Literatur zu Manhattan gibt, die sehr ergiebig ist. Am schlechtesten dargestellt wurde bisher der Norden Manhattans, da der Forschung die spektakulären südlicheren Teile der Insel immer wichtiger blieben. Dort hatte nämlich die Besiedlungsgeschichte durch die Europäer ihren Anfang genommen.

Als man in Marble Hill mit den Wasserbau- arbeiten begann, um den für den Schiffsverkehr etwas unwirtlichen Spuyten Duyvil Creek zur ungefährlicheren Wasserstraße zu machen, hatte man zuvor in den Stadtplänen von Manhattan bereits Eintragungen auffinden können, wie der spätere Verlauf der Wasserstraße und ihr Uferverlauf sein wird. Irgendwann fand diese Baumaßnahme statt, durch die Marbel Hill von einem gekurvten kanalisierten Wasserlauf umrundet wurde. Als man sich entschloß, die Schleife um Marble Hill abzukürzen, wurde aus dem, was heute Marble Hill genannt wird, eine Insel.


Diese Insellage von Marble Hill muß auch dann noch bestanden haben, als man die Hochbahn vom Süden der Insel Manhattan bis hoch in ihren hohen Norden vorantrieb, das suggeriert eine Karte zur Subwaylinie, die später noch weiter nördlicher geführt wurde.


Marble Hill ist ein interessanter Stadtteil. Ein Fremder, der sich nie mit der Vorgeschichte dieses Stadtteils beschäftigt hat, wird sich wundern, wieso es rund um diesen Hügel oder Marble Hill eine Straße mit Terrassen an Häusern gibt, von denen aus die Bewohner der alten und kleinen Holzbauten alle in ein Tal blicken. Erst wenn er weiß, daß sich dort unten im Tal ein breiter Wasserlauf befand, wird ihm der Sinn dieser so gebauten Häuser verständlich.

Wichtiger Hinweis:
Die riesige öffentliche Bibliothek der Stadt New York mit ihren unterschiedlichen Spezialbibliotheken birgt auch eine Plansammlung historischer Pläne der Stadtgebiete. Diese können von Nutzern der Bibliothek abfotografiert werden. Wer hochwertige Fotos solcher Pläne haben will, kann sie bei dieser Bibliothek ankaufen.

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Eine Bestandsaufnahme der Gebäude von Manhattan in New York City


Hier wird das Manhattan-Projekt vorgestellt. Bei diesem Projekt geht es darum, die Besiedlungsgeschichte der Insel Manhattan in ein Verständnis zu rücken. Die dort im Laufe der Zeit errichteten Bauten sollen aufgespürt werden, um die Entwicklung des Bauwesens auf dieser Insel nachvollziehbar zu machen.

Zunächst wurde eine Bestandsaufnahme dessen geleistet, was sich zur Zeit an Bauwerken antreffen läßt. Aber nicht nur das interessiert, auch das, was unterging.

Die Karte oben zeigt uns einen Kartenausschnitt vom Norden Manhattans. Sie dürfte die Bauanlagen wiedergeben, die im Unabhängigkeitskampf der Nordamerikaner eine Rolle spielten. Man sieht, die Landschaft ist noch siedlungsleer. Nur einzelne Bauernhäuser stehen an einfachsten Wegen. Ein Weg führt nach Norden zur Kingsbridge. Dies ist heute der Broadway im Norden Manhattans. Die Kingsbridge ist inzwischen eine Straßenkreuzung, da keine Wasserstraße an dieser Stelle überbrückt werden muß.

Mit der Bestandsaufnahme wurde im Norden der Insel begonnen. Als ich über diesen Teil Manhattans las, wurde mir bewußt, daß durch einen Stichkanal Marble Hill von der Insel abgetrennt wurde. Früher war dieser Teil Manhattans von einem kurvenreichen Fließgewässer umrundet. Da die Schiffspassage nicht ungefährlich war, grub man sich einen kürzeren Weg vom Harlem Creek zum Hudson River. Hätte man den ursprünglichen Verlauf des Wasserweges um Marble Hill herum nicht zugeschüttet, wäre dieser Teil des Nordens von Manhattan eine Insel geblieben.

Man hat jedoch Landgewinnungsmaßnahmen betrieben und den Wasserlauf um Marble Hill herum zugeschüttet, etwa um Baugrund für Schulgebäude zu erhalten. Anderswo entstanden Superblocks als riesige Bauten des sozialen Wohnungsbaus, um das aufgeschüttete Gebiet sinnvoll zu nutzen. Leider sind durch diese Baumaßnahmen die Schönheiten der nördlichen Landschaft Manhattans in guten Teilen zerstört worden.

Die Dokumentation der Bauten von Manhattan folgte den Stadtteilen, die nach Marble Hill auf dieser Insel Manhattan von Norden nach Süden aufeinander folgen. Marble Hill liegt jetzt auf dem Festland, danach folgt Inwood, das heute ganz im Norden der Insel Manhattan liegt. Anschließend wurde die Dokumentation der Bauten von Fort George, usw. vorgenommen.

Da der Besiedlungbeginn durch die Europäer im Süden der Insel Manhattan stattfand, wurde auch hier eine Dokumentation der Bauten erarbeitet, die darauf abzielte, möglichst schnell das zu dokumentieren, was den Anfang dieser Besiedlungsmaßnahme nachvollziehbarer macht.

Durch Landaufschüttungen ist die Südspitze Manhattans sehr stark verändert worden. An der gekurvten Straßenführung des heutigen Downtown läßt sich jedoch noch ablesen, wo die ersten Häuser der frühesten Ansiedlung entstanden. Allerdings mußte sehr viel zu diesen Veränderungsprozeßen gelesen werden, um das im Stadtraum identifizieren zu können. So liegt ein ehemaliges Fort jetzt auf dem Gebiet der Insel. Früher stand es auf einer kleinen Insel vor der Landmasse der Südspitze Manhattans.

Die Landschaft der langgestreckten Insel ist an manchen Stellen sehr dramatisch. Man erahnt noch den ursprünglichen Zustand Manhattans, wenn man durch den verbliebenen Urwald im Norden der Insel wandert.

Hier waren früher Wohnplätze der Urbevölkerung gewesen, als die Europäer eintrafen. Archäologen haben auch an anderer Stelle der Insel Siedlungsspuren der indianischen Bevölkerung auffinden können. Man findet gelegentlich Höhlen in Felsabstürzen. Eine der Höhlen im Gebiet des derzeitigen Inwood Hill Park soll ein indianisches Heiligtum gewesen sein.


Man wird alldem nachgehen müssen, was sich seit den ältesten Besiedlungsspuren auf der Insel nachweisen läßt, um schließlich zu den heutigen Bauanlagen zu kommen. Auch diese wollen verstanden werden.


Das Manhattan-Projekt ist also ein recht spannendes Forschungsvorhaben, das uns in die unterschiedlichsten Baukulturen vordringen läßt. Man darf gespannt sein, was sich an Dokumenten dazu auffinden läßt.

Karl-Ludwig Diehl
Baugeschichte


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